Auf Reisen ...

19. September 2009 - Steuben Parade in New York


































Bilder von Klaus Honauer



Ich wandre ja so gerne….

13.05 Uhr. Die Pausenglocke schallt, endlich ist Schulschluss! Ich renne aus der Klasse, rufe allen noch ein Tschüß zu und schon bin ich verschwunden. Oma Anna wartet mit dem Mittagessen. Es schmeckt wieder lecker. Heute gibt es Schinkennudeln und dazu eingekochte Pflaumen mit Semmelbröseln, einfach köstlich. Wir diskutieren noch eine ganze Weile, denn von Oma erfahre ich alles, was früher los war. Und da gibt es vieles zu berichten. Es ist wohl halb drei, als ich mich auf den Heimweg mache, da kommt mir in der Gothaer Straße die Postfrau entgegen. Sie schiebt immer noch den schweren Handkarren, den langsam ansteigenden Berghang hinauf. „Knut, warte einmal“ rief Sie und ergänzte „ich habe hier einen Brief aus Amerika, kann nicht genau erkennen was drin ist und eigentlich weiß ich auch nicht, wem ich den geben soll“. Auf dem Brief stand „An den Chronisten von Wechmar“. „Gib ihn mir“ war meine Antwort, ich werde mal sehen was drin ist“ die Antwort, schließlich hatte mich Bürgermeister Gäbler kürzlich zum jüngsten Ortschronisten im Landkreis bestellt.

Mit dem Brief und dem schweren Ranzen sockte ich nach Hause, konnte kaum erwarten, ihn zu öffnen. Zwar hatte ich eine Tante in Amerika, aber neben einer Erbtante, wäre doch ein Erbonkel im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten, im Land von Dallas und Denver, gut zu gebrauchen“ meine neue Filosofie. Zu Hause angekommen, öffnete ich den Brief und stellte fest, er war in Deutsch geschrieben. Eine junge Frau aus Plymouth im Bundesstaat Wisconsin suchte ihre Vorfahren. Michael Christian Hopf hieß der Stammvater und beim Lesen des Namens klingelte es sofort in meinem Kopf. Hatte ich nicht diesen Namen in den Auswanderungslisten der Jahre 1850-60 im Handelsbuch Wechmar gelesen? Jawohl, ein Blick und ich hatte den Ahnherren. Ich konnte Jean Bohnhoff helfen. Ihr Stammvater war aus Wechmar, die Mutter aus Emleben. Dank der Hilfe der Pastorin Döll und des Pfarrers Kunze in Emleben war in den nächsten Wochen die Stammfolge bis ins 17. Jahrhundert ermittelt.

Seit dem dieser Brief in Wechmar eingegangen ist, sind nun mehr als 20 Jahre vergangen. Es ist wohl ein Vierteljahrhundert, dass ich mit meinen Freunden in Amerika in Verbindung stehe. In den folgenden Jahren habe ich so manche Episode aus der Familiengeschichte erfahren. Stammvater Michael Christian Hopf ist mit Frau und fünf Kindern von Wechmar nach Bremerhaven aufgebrochen, mit dem Schiff kam er nach New York und von dort wird die Familie nach Wisconsin geschickt. Er bekam Land, baute einen Bauernhof, auf dem seine Nachfahren noch heute eine moderne Viehwirtschaft betreiben. Es waren viele, die damals ausgewandert sind. Tausende suchten ihr Glück im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ zwischen Goldrausch und Tellerwäscherei.

Ich habe in den letzten Jahren viel erfahren über die Auswanderer. In der Universitäts- und Forschungsbibliothek zu Gotha liegt der wohl größte Schatz an Auswandererbriefen. Sie sind ein einzigartiges Zeugnis von Glück und Leidenschaft, von Schicksal und Tod, von Hoffnung und Glaube. Sie sind Botschaften der Suche nach einer neuen Welt. Und sie erzählen vom Heimweh! So auch der Schuhmacher Emil Wolfram, der Sohn des Wechmarer Schultheiß Simon Wolfram, er zog aus, um in Amerika sein Glück zu finden. Er wanderte durch ganz Deutschland, beschrieb seine Reisen, stieg auf ein Schiff und fand wenige Jahre nach seiner Ankunft den Tod in den Wäldern der Rocky Mountains. Mancher von uns weiß vielleicht gar nicht, ob er Familienangehörige in Amerika hat.

Für mich war es deshalb eine besondere Wanderung, die Teilnahme des Wechmarer Heimatvereins an der 52.Germann Steuben Parade vom 17. bis 23. September 2009 in New York. Die Parade, mit dem Namen des preußischen Generals Steuben, der einst Lincoln zur Hilfe eilte, um die Truppen der Südstaaten im Bürgerkrieg zu besiegen. Er wird mit dieser Parade deutscher Gruppen seit 1957 geehrt. Es sind deutsche Gruppen in Amerika, so zum Beispiel Kinder der German School, es sind Trachtengruppen in bayerischen Gewändern, die einst die Großeltern trugen und es sind Gruppen, die extra aus Deutschland anreisen. Neben dutzenden Gruppen aus Bayern und Baden-Württemberg, waren in diesem Jahr auch der Wechmarer Heimatverein aus Thüringen und die Hessische Volkskunstgilde mit dabei. Es war gut zu spüren, wie deutsches Temperament, schwungvolle Tänze, herrliche Lieder, das Spiel des thüringischen Dudelsacks die amerikanische Metropole eroberten. An den Straßen staunten hunderttausende Menschen in brütend heißer Herbstsonne über die herrlichen Wimmerschen Trachten mit den gewaltig großen Hauben. Sie warteten stundenlang, um uns zu beklatschen, um zu jubeln, wenn wir sangen. Wir alle feierten mit diesem Fest auch das Jubiläum „20 Jahre Fall der Berliner Mauer“. Dank der Worte von Präsident Ronald Reagan „Mr. Gorbachev, tear down this wall“ kannte jeder den Osten Deutschlands. Am Straßenrand stand eine Frau mit Tränen in den Augen. Sie war 1945 aus Bad Langensalza mit einem amerikanischen Soldaten nach Amerika ausgewandert. Unser Lied „Ich wandre ja so gerne am Rennstein durch das Land…“ konnte sie nur allzu gut verstehen.

Knut Kreuch, Dezember 2009 



15. Oktober 2001 - Empfang beim Bundspräsidenten


Der 15.10.2001 war für 12 Mitglieder unseres Vereins ein ganz besonderer Tag, denn sie gehörten zu den 250 Teilnehmern des Empfangs von Mitgliedern des Deutschen Trachtenverbandes beim Bundespräsidenten Johannes Rau und seiner Frau im Schloss Bellevue.


"So bunt war es hier noch nie" meinte Rau und stellte fest, dass Trachten richtig cool sein können. Zum ersten mal in der Geschichte der Bundesrepublik wurde der Deutsche Trachtenverband vom höchsten Vertreter des Landes empfangen.


Wir erlebten einen wunderschönen Tag in Berlin. Los ging es mit dem Besuch der Glaskuppel auf dem Reichstag, wo alle Trachtenträger von interessierten Touristen bestaunt wurden. Es folgte ein Empfang bei der Thüringer Landesvertretung, inklusive Stärkung. Und dann stieg bei uns die Aufregung, denn es ging weiter zum Schloss Bellevue, wo uns der Bundespräsident Johannes Rau, seine Frau und 70 Botschafter-Gattinnen erwarteten.


Natalie und Romeo Kreuch überreichten der Präsidentengattin Christine Rau eine Halskette, den Thüringer Mahlschatz von Karin Stiefel aus Tabarz.



Zu Gast in Wechmar ...

17. August 2002 - Yvonne Catterfeld als Stargast

Am 17. August 2002 durfte der Wechmarer Heimatverein beim Heimat- und Schützenfest Yvonne Catterfeld, bekannt aus der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und durch ihren Nr.1-Hit "Für Dich", begrüßen.



15. September 2002 - Johannes Heesters in Wechmar


Johannes Heesters und seine Frau Simone Rethel folgten am 15. September 2002 der Einladung des Wechmarer Heimatvereins ins Landhaus Studnitz. "Ein Weltstar in Wechmar" hieß die Veranstaltung mit ca.100 Gästen in der Heesters über sein Leben sprach und spontan sang.


Johannes Heesters und Simone Rethel vor dem Bachstammhaus in Wechmar


Weitere Erlebnisse ...

17. Juli 2003 - Komparsen im Film

"Sieben Zwerge - Männer allein im Wald"

Der Thüringer Trachtenverband erhielt einen Anruf aus Köln, dass das Zipfelmützenstudio für den neuen Otto-Film Komparsen in Tracht sucht. Auch der Wechmarer Heimatverein sagte nach kurzer Überlegung zu, so dass es für ein paar Mitglieder unseres Vereins am 17. Juli 2003 um 2 Uhr in Richtung Köln los ging. Es folgte ein langer Tag mit über 12 Stunden Drehzeit. "Keiner von uns hatte Otto vorher live erlebt, um so angenehmer überrascht waren wir über seine natürlich Art mit uns umzugehen. Als wir ihm erzählt haben, dass wir aus Thüringen kommen, war er erstaunt, dass wir so eine lange Reise mit so viel Stress auf uns genommen haben." (Eva Kowalewski, links neben Otto) 


In der Maske wurden die meisten mit Perücken oder entsprechdenden Frisuren älter gemacht, bevor es in das Studio, ein nachgebauter Schloßhof in einer rießigen Halle, ging. rechts: Olm mit den Vereins-mitgliedern Marlene Gleichmar (links) und Adelheid Rebmann (Mitte)

Marlene und Siegmar Gleichmar mit Otto

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